The Revolution will not be blogged
“The new power lies in the codes of information and in the images of representation around which societies organize their institutions, and people build their lives, and decide their behaviour. The sites of this power are people’s minds.”(96)
Manuel Castells
Die Leerstelle, die durch die alleinige Verwendung der Kalenderanordnung in Blogs besteht, nämlich die, dass die Subjekte zwar in der Zeit, aber nicht im Raum verortet werden, löst sich durch die Protokollerweiterungen und Apparate, die Blogs zu Moblogs machen. Mittels Mobiltelefonen, die Fotos und Videos aufzeichnen, und diese ins Internet versenden können, eröffnet sich wieder eine Möglichkeit den Wunsch zur Sichtbarkeit in Verdienstwege zu leiten.2
Blogs die neben den persönlichen Weltanschauungen zudem -ansichten und Satellitenaufnahmen verwenden, um die Position des Bloggers per GPS – oder Galileo – zu bestimmen und zu markieren, tragen noch mehr zu diesem Trend bei, beständig von sich Rechenschaft zu geben.3 Dafür verwendete Sattelitenbilder und Karten, wie sie beispielsweise von Google angeboten werden,4 bewirken wiederum ein anderes Sichtbarkeitsregime und Wahrheitsspiel, das auch in anderen Medien einen Aufschwung erlebte, um verschiedene Phänomene wie z.B. Klimaveränderungen oder Sicherheitswesen, zu erklären.5
Dadurch wird das Problem gelöst, nicht überall und zu jeder Zeit mitteilen zu können, wo man ist, was man sieht, was man hört oder was man denkt. Advanced smartphones bringen mehr Anschaulichkeit und Mobilität ins Spiel,
“um den Menschen die Möglichkeit zu geben, diese wertvollen Momente einzufangen und zu teilen, um kommunikative Inhalte und eine Evolution von Erinnerungen anbieten zu können, die in eine Hosentasche passen, und von deinen Freunden, der Familie oder Kollegen gesehen werden können.“6
Die „Evolution der Erinnerungen“ in der Hosentasche ist eine medienhistorische und für jedes Medium und jede Medienverbünde speziell zu analysierende. Ob von einer „Evolution“ gesprochen werden kann bleibt nachzuweisen. So sind “Medien [gerade nicht, M.S.] von zweitrangiger Bedeutung”7, wenn es um die Verstreuung von Vergangenheit geht.
„Der Stand der Analogtechnik - man denke an Photographie, Film und Tonband - endete hier bei der bloßen Speicherung von Information. Sie blieb, anthropomorph ausgedrückt, Gedächtnistechnik. Die Informationstechnik bringt den Übergang zur Erinnerungstechnik. Sie automatisiert das Aufsuchen, Wiedererkennen und Zurückholen der gespeicherten Gehalte. (…) Der Effekt ist nicht minder revolutionär: er bedeutet eine Verwischung des Unterschieds räumlicher und zeitlicher Distanz.“8
Die Frage nach Medienzeichen in der Kommunikation, fällt mit der Frage nach den Bedingungen der Möglichkeit von Wissenschaft zusammen. Medienwissenschaft ist per se auf die Reflexion ihrer Wissenschaftlichkeit als unendliche Schreibarbeit angewiesen. Sie ist ein Sammeln und Archivieren von Medienerscheinungen, wie z.B. Erinnerungstechniken, die analysiert werden müssen, um wiederum in die Reflexion der Grundlagen einzufließen.9
Die medialen Möglichkeiten der Wissenschaft und ihr Programm ’Reputation durch Publikation’ in Blogs wären folgendermaßen noch zu erforschen.10
Nicht nur in der Wissenschaft, sondern insgesamt in einer demokratischen Gesellschaft, ist davon auszugehen, dass die Meinungsfreiheit der Bürger nicht unterdrückt wird. In geregelter Freiheitsberaubung kann behauptet werden, dass
„die Staatsbürger/innen als personale Medien in der Art von verschachtelten Black Boxes(…) diesen Staat konstituieren, um so in geregelte Bahnen zu lenken, wie in selbige gelenkt zu werden. Der Staat – als Vereinheitlichung von Differenzen und Differenzierung von Vereinheitlichungen – wäre also die Gesamtheit seiner Bürger/innen, denen er gehört und also auch gehorchen kann, sofern z.B. Tele-, Mega- oder Mikrophone als mediale Infrastrukturen zur Verfügung stehen, um Ohren mit Mündern störend zu verbinden und zu verschalten.“11
Die demokratische Wahl jedes Einzelnen kann medienwissenschaftlich noch nicht geklärt werden, und so bleiben die Bedingungen der Entscheidungsprozesse im Dunkeln. Doch wie der Staat durch mediale Verknüpfungen mit dem republikanischen Programm der Verfassung demokratisch fortgesetzt werden kann, so ist das Internet durch überstaatliche Regelungen programmiert, und erlaubt bei Bedarf den Usern sich in multimedialer Verschaltung durch Störungen neu zu konstituieren – noch immer geht es darum, weder zu fürchten noch zu hoffen, sondern darum, sich „neue Waffen zu suchen.“12
Der virtuelle Freitod in einem Netzwerk wie Orkut, der sogenannte orkuticídio13, ein Begriff, der sich vom portugiesischen Wort "suicídio" ableiten, ist vielleicht die neue medienspezifische Geste, die dem Benutzer gestattet wird, um sich abrupt und abweisend aus dem System zu verabschieden. Aus welchen Beweggründen auch immer.
Virtuell ist die Unordnung unwahrscheinlicher als die Ordnung. Das Chaos bleibt digital undenkbar. So existiert eine utopische Freeculture weiterhin nur als ein Traum von der
„Aufhebung der Gesetze und Verbote; das Rasen der Zeit; die respektlose Vermischung der Körper; das Fallen der Masken und der Einsturz der festgelegten und anerkannten Identitäten, unter denen eine ganz andere Wahrheit der Individuen zum Vorschein kommt.“14
Manuel Castells
Die Leerstelle, die durch die alleinige Verwendung der Kalenderanordnung in Blogs besteht, nämlich die, dass die Subjekte zwar in der Zeit, aber nicht im Raum verortet werden, löst sich durch die Protokollerweiterungen und Apparate, die Blogs zu Moblogs machen. Mittels Mobiltelefonen, die Fotos und Videos aufzeichnen, und diese ins Internet versenden können, eröffnet sich wieder eine Möglichkeit den Wunsch zur Sichtbarkeit in Verdienstwege zu leiten.2
Blogs die neben den persönlichen Weltanschauungen zudem -ansichten und Satellitenaufnahmen verwenden, um die Position des Bloggers per GPS – oder Galileo – zu bestimmen und zu markieren, tragen noch mehr zu diesem Trend bei, beständig von sich Rechenschaft zu geben.3 Dafür verwendete Sattelitenbilder und Karten, wie sie beispielsweise von Google angeboten werden,4 bewirken wiederum ein anderes Sichtbarkeitsregime und Wahrheitsspiel, das auch in anderen Medien einen Aufschwung erlebte, um verschiedene Phänomene wie z.B. Klimaveränderungen oder Sicherheitswesen, zu erklären.5
Dadurch wird das Problem gelöst, nicht überall und zu jeder Zeit mitteilen zu können, wo man ist, was man sieht, was man hört oder was man denkt. Advanced smartphones bringen mehr Anschaulichkeit und Mobilität ins Spiel,
“um den Menschen die Möglichkeit zu geben, diese wertvollen Momente einzufangen und zu teilen, um kommunikative Inhalte und eine Evolution von Erinnerungen anbieten zu können, die in eine Hosentasche passen, und von deinen Freunden, der Familie oder Kollegen gesehen werden können.“6
Die „Evolution der Erinnerungen“ in der Hosentasche ist eine medienhistorische und für jedes Medium und jede Medienverbünde speziell zu analysierende. Ob von einer „Evolution“ gesprochen werden kann bleibt nachzuweisen. So sind “Medien [gerade nicht, M.S.] von zweitrangiger Bedeutung”7, wenn es um die Verstreuung von Vergangenheit geht.
„Der Stand der Analogtechnik - man denke an Photographie, Film und Tonband - endete hier bei der bloßen Speicherung von Information. Sie blieb, anthropomorph ausgedrückt, Gedächtnistechnik. Die Informationstechnik bringt den Übergang zur Erinnerungstechnik. Sie automatisiert das Aufsuchen, Wiedererkennen und Zurückholen der gespeicherten Gehalte. (…) Der Effekt ist nicht minder revolutionär: er bedeutet eine Verwischung des Unterschieds räumlicher und zeitlicher Distanz.“8
Die Frage nach Medienzeichen in der Kommunikation, fällt mit der Frage nach den Bedingungen der Möglichkeit von Wissenschaft zusammen. Medienwissenschaft ist per se auf die Reflexion ihrer Wissenschaftlichkeit als unendliche Schreibarbeit angewiesen. Sie ist ein Sammeln und Archivieren von Medienerscheinungen, wie z.B. Erinnerungstechniken, die analysiert werden müssen, um wiederum in die Reflexion der Grundlagen einzufließen.9
Die medialen Möglichkeiten der Wissenschaft und ihr Programm ’Reputation durch Publikation’ in Blogs wären folgendermaßen noch zu erforschen.10
Nicht nur in der Wissenschaft, sondern insgesamt in einer demokratischen Gesellschaft, ist davon auszugehen, dass die Meinungsfreiheit der Bürger nicht unterdrückt wird. In geregelter Freiheitsberaubung kann behauptet werden, dass
„die Staatsbürger/innen als personale Medien in der Art von verschachtelten Black Boxes(…) diesen Staat konstituieren, um so in geregelte Bahnen zu lenken, wie in selbige gelenkt zu werden. Der Staat – als Vereinheitlichung von Differenzen und Differenzierung von Vereinheitlichungen – wäre also die Gesamtheit seiner Bürger/innen, denen er gehört und also auch gehorchen kann, sofern z.B. Tele-, Mega- oder Mikrophone als mediale Infrastrukturen zur Verfügung stehen, um Ohren mit Mündern störend zu verbinden und zu verschalten.“11
Die demokratische Wahl jedes Einzelnen kann medienwissenschaftlich noch nicht geklärt werden, und so bleiben die Bedingungen der Entscheidungsprozesse im Dunkeln. Doch wie der Staat durch mediale Verknüpfungen mit dem republikanischen Programm der Verfassung demokratisch fortgesetzt werden kann, so ist das Internet durch überstaatliche Regelungen programmiert, und erlaubt bei Bedarf den Usern sich in multimedialer Verschaltung durch Störungen neu zu konstituieren – noch immer geht es darum, weder zu fürchten noch zu hoffen, sondern darum, sich „neue Waffen zu suchen.“12
Der virtuelle Freitod in einem Netzwerk wie Orkut, der sogenannte orkuticídio13, ein Begriff, der sich vom portugiesischen Wort "suicídio" ableiten, ist vielleicht die neue medienspezifische Geste, die dem Benutzer gestattet wird, um sich abrupt und abweisend aus dem System zu verabschieden. Aus welchen Beweggründen auch immer.
Virtuell ist die Unordnung unwahrscheinlicher als die Ordnung. Das Chaos bleibt digital undenkbar. So existiert eine utopische Freeculture weiterhin nur als ein Traum von der
„Aufhebung der Gesetze und Verbote; das Rasen der Zeit; die respektlose Vermischung der Körper; das Fallen der Masken und der Einsturz der festgelegten und anerkannten Identitäten, unter denen eine ganz andere Wahrheit der Individuen zum Vorschein kommt.“14
m_ART_in - 23. Februar, 16:10